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MeistertrÀume im Schlamm!

,,Haberland! Wo ist Haberland?“ Aufgeregte bis versteinerte Gesichter im Parc Ferme nach der Zieldurchfahrt der 43. Havellandrallye, sĂŒdlich von Potsdam, im Spargelreich rund um Beelitz.

Die Dramen die sich bis dahin zwischen abgeernteten Feldern und verwaisten BahndĂ€mmen, auf glatten Beton-Plattenstraßen und schmierigen Waldwegen abspielten haben die Protagonisten nur zum Teil im vollen Umfang mitbekommen.

Tagelange RegenfĂ€lle haben im Vorfeld das GelĂ€uf aufgeweicht, die schnellen Strecken bieten reichlich Chancen fĂŒr ungewollte AusflĂŒge ins Unterholz. Dazu kommt die Angst vor dem Nebel in den Abendstunden, der die teuren Zusatzlampen so sinnlos macht wie den Regenschirm im Wirbelsturm. Aber es bleibt klar und trocken, die Aufgabe indes schwierig.

8 Volvos kamen zum letzten Lauf des VOC in Deutschland. Die Rallye Amazone Anja Frese mit Co Helmut Wigger, Altstar Charly Beck mit Jörg Stierle, die Junioren Linus Noll und Pascal Fölling, die ThĂŒringer Hagen Fritsch und Martin Luthardt sowie das Comeback des Jahres, RĂŒckkehrer Silvio Mollitor mit Norman Jakobs oder eben jener Stefan Haberland und Thomas Bernöcker. Sie alle sollten nur die Statisten sein im großen Showdown der beiden Favoriten, der FĂŒhrenden in der laufenden Meisterschaft.

Punktgleich (!) kamen Werner Löseke / Paul Tenberge und Andreas Leue / Vanessa Knof nach SĂŒdbrandenburg. Der direkte Kampf auf der Strecke wĂŒrde die Entscheidung bringen. Jeder Patzer, jeder noch so kleine Rutscher sorgte fĂŒr eine Spannung, wie wir sie in noch keinem Meisterschaftsfinale vorher erlebt hatten. Der Veranstalter zollte den Witterungsbedingungen Tribut, ca. 10 der knapp 70 WP-Kilometer wurden vor dem Start fĂŒr unbefahrbar erklĂ€rt. Es blieben jedoch genug Schlammlöcher ĂŒbrig um gleich auf WP01 eines der ersten Fahrzeuge darin versinken zu lassen. WĂ€hrend der halbstĂŒndigen Unterbrechung noch ein letzter Plausch der Akteure und man wurde den Eindruck nicht los dass dem einen oder anderen einen Neutralisation ganz gelegen kommen wĂŒrde. Zu scheußlich sind die StreckenverhĂ€ltnisse.

Als es endlich los geht ist es fĂŒr Youngster Linus Noll auch gleich wieder vorbei. Nach nur zwei Kilometern wirft er den goldenen Neuner von Onkel JĂŒrgen schwungvoll von der Strecke. Den beiden und dem Auto ist nichts passiert, an eine Bergung ist jedoch vor Ende der Rallye nicht zu denken. Auch das gehört zur Lernkurve.
Die erste Bestzeit indes setzt Stefan Haberland knapp vor Charly Beck, der kurz vor dem Ziel den Notausgang in einer R2 bucht. Den Gleichen nutzt kurz darauf auch Hagen Fritsch (das hatten wir doch schon einmal!). Und unsere beiden MeisterschaftsanwÀrter? Werner Löseke fÀhrt auf Rang 3, Andreas Leue verliert 2 Sekunden. Allerdings schiebt sich hier noch Silvio Molitor zwischen die beiden, was im Moment dem Westfalen Team in die HÀnde spielt.

Auf WP02 setzt sich Charly Beck an die Spitze, dahinter bleibt alles gleich. Andreas und Vanessa mĂŒssen etwas zulegen, wenn sie noch ein Wörtchen um die Meisterschaft mitreden wollen. WP03 sieht dann Löseke vor Leue, der damit an Mollitor vorbeizieht. Jedoch kann auch Löseke Haberland hinter sich lassen. Wieder einer dazwischen! Nach der ersten Pause dann wieder Haberland vor Beck und Löseke. Leue patzt und fĂ€llt auf Platz 5 zurĂŒck. Haberland ist wieder an Löseke vorbei. Auf WP05 wird Silvio Mollitor Opfer der schwierigen Bedingungen. Ein Graben bedeutet fĂŒr beide Endstation und Andreas Leue und Vanessa Knof rĂŒcken einen Platz auf. Jetzt wird es wieder spannend!

Nach der Servicepause bricht langsam die Nacht herein. Starke Nerven sind jetzt gefragt! Bleibt alles so sind Löseke / Tenberge Meister. Leue muss an Haberland / Bernöcker vorbei, dann reicht es fĂŒr sie! (auf die ,,Streicher“ wollen wir hier nicht nĂ€her eingehen) Doch der Skoda-Manager fĂ€llt auf WP06 einen Lichtmast! Dieser hinterlĂ€sst seine hĂ€sslichen Spuren am orangen 9er, beeinflusst sein Fahrverhalten aber in keinster Weise und auch das Licht ist noch intakt. WĂ€hrend dessen machen Charly und Jörg alles klar an der Spitze. Werner Löseke kann sich ob des Puffers Haberland seiner Sache sicher sein.

Dann das Missgeschick: Stefan und Thomas verpassen einen Abzweig auf der Verbindungsetappe und fahren sich beim Wenden im Graben fest! Damit wĂ€re der Weg fĂŒr Leue / Knof frei! Was jetzt kommt gehört zu den ganz großen sportlichen Gesten: Andreas Leue und Vanessa Knof ziehen Haberland mit dem Seil aus den Graben und verhelfen ihnen somit zu Weiterfahrt! So wird Fairpaly geschrieben! Respekt!

Karl-Friedrich ,,Charly“ Beck und Jörg Stierle gewinnen den VOC-Lauf, verpassen jedoch auf der letzten WP den Klassensieg durch einen Dreher. Und die Meisterschaft? Haberland erscheint nicht im Parc Ferme! Unruhe bei Werner Löseke, Andreas Leue versteht die Welt nicht mehr. ,,Wo ist Haberland?“ Der nutzt in aller Seelenruhe die komplette Zeit um sein Auto an der Tanke von gefĂŒhlten 2 Zentnern Schlamm zu befreien und etwas Sprit nachzufĂŒllen! So ein Bazi!

Als er endlich im Beelitzer Spargelhof einrollt langt fĂŒr Werner Löseke / Paul Tenberge der zweite Platz vor dem Schelm Haberland zum Titel, der wiederum damit den dritten Platz in der Jahresendwertung vor Anja einfĂ€hrt. Platz vier reichen Andreas Leue und Vanessa Knof zur Vizemeisterschaft. Platz 5 geht nach ThĂŒringen an Fritsch / Luthardt, 6. werden Frese / Wigger. So findet eine wirklich spannende Saison 2015 ein wĂŒrdiges Ende!

Der Volvo Original Cup lebt! 16 Teilnehmer in diesem Jahr und ca. 7 pro Veranstaltung können sich durchaus sehen lassen. Gefeiert wird auch wieder zĂŒnftig zur offiziellen Siegerehrung, Termin und Ort werden noch rechtzeitig bekanntgegeben.

Knut-Inge

Bilder: Rallye-Magazin von Simon StÀudten, Klaus und Bea Richter, Sascha Graf

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